Bevor ich mich mit den Prinzipien von Leiterschaft beschäftige, muss ich 6 Missverständnisse ausräumen.

Missverständnis 1 : Ein Leiter kann alles
Wenn man sich die heute Theologie-Ausbildung betrachtet, scheint das Leitbild die "Eierlegende Wollmichsau" zu sein. Theologiestudenten berichteten mir glaubwürdig, dass sie tatsächlich auf ein solches Leitbild hin ausgebildet werden! Natürlich wird das nicht so entlarvend bezeichnet. Aber in der Praxis läuft es darauf hinaus.
Daraus kommt es zwangsläufig zum

Missverständnis 2 : Aktiver Hirte - passive Schafe
Kein Gleichnis wurde in der Kirchengeschichte so missbraucht, wie das Bild vom Hirten und den Schafen. Der Hirte weiss alles - die Schafe wissen nichts. Der Hirte gibt den Weg vor - die Schafe folgen blindlings. Der Einzige, der Verstand hat, ist der Hirte! Das gilt besonders, wenn es um Glaubensdinge geht. Persönlicher Glaube ist nichts - Theologie ist alles.
Aber bevor jetzt jemand an die Decke geht, man kann natürlich auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Das ist dann das

Missverständnis 3 : Demokratie um jeden Preis
Besonders Pfarrer, die es richtig machen wollen, aber keine klare Vision von Gemeinde haben, sind hier gefährdet. Man lässt die Mehrheit über wirklich alles abstimmen. Das Ende vom Lied ist, dass die Schafe den Hirtern leiten. Leitung ist nicht Demokratie um jeden Preis!

Missverstäöndnis 4 : Ein Leiter reibt sich für seine Herde auf
Workaholic nennt man das. Dahinter kann ein tiefsitzendes Minderwertigkeitsgefühl stecken. Liebe durch Leistung. Keine Fehler machen. Jederzeit Herr der Lage sein. Was auf der Strecke bleibt, ist die Barmherzigkeit. Sowohl sich selbst gegenüber, als auch den Mitarbeitern gegenüber. Wer sich selbst keine Schwäche, keine Fehler eingesteht, der kann dies auch bei seinen Mitmenschen nicht zulassen.

Missverständnis 5 : Immer kritisch sein!
Auch hier steckt oft ein Minderwertigkeitskomplex dahinter. Wenn ich andere kritisiere, bekomme ich selbst nicht so viel Kritik ab. ich dränge ja den anderen zuerst mal in die Verteidigung. Andere Abwerten, wertet mich auf. Lob und Anerkennung könnten zu Schlamperei und Lässigkeit führen. Tatsächlich ist es aber umgekehrt. Anerkennung, Lob und Ermutigung motivieren viel mehr.

Missverständnis 6 : Gefolgschaft aus Mitleid
Jeder sieht es, jeder spürtes - der leiter bringt nichst zu Wege. Da bricht das Helfersyndrom hervor: Dem Manne muss geholfen werden! Es sind oft die Leiter, die nicht "Nein" sagen können. Vielleicht zweifelt er auch grundsätzlich an seinem Auftrag und seiner Befähigung. Allerdings: Ein Leiter, der erkannt hat, welche Begabungen ihm Gott gegeben hat, kann dann auch loslassen und anderen den erforderlichen Freiraum geben. Hier ist Hoffnung!

 

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