Meine Feuertaufe
Jetzt war es endlich so weit! ich durfte, zumindest gelegentlich, alleine fliegen. "Geh mal ein wenig auf die Gass" wurde das genannt. Also Flugerfahrung sammeln. Ein solcher Flugauftrag konnte z.B. heissen: "Flieg' nach Rottweil, finde den Platz Rottweil-Zepfenhahn und komm' wieder zurück". Man fühlte sich schon fast wie ein richtiger Pilot! Dass ich beim ersten Mal zwar den Ort Rottweil, aber nicht den dortigen Flugplatz gefunden habe, musste ich ja niemand sagen! Überprüft wurde das nicht und wenn man einigermaßen mit der richtigen Flugzeit zurück kam (und den eigenen Platz wieder fand!) dann war alle in Ordnung. Wie einmal war ich mit Flugauftrag in der näheren Umgebung unterwegs und dann kam das Unheil! Bei fast Windstille gestartet, kam ein immer stärkerer Westwind auf. So stark, dass es meinem verantwortlichen Fluglehrer, Kurt Egeler, Angst wurde. Funkspruch: "Komm' zurück, versuche' einen Anflug, aber riskier' nichts. Wenn's nicht geht, nehm' ich die 172-er und flieg' Dir nach Rottweil voraus. Dort ist's eine Ost-West-Bahn, da kannst Du dann gefahrlos landen. OK, jetzt musste sich zeigen, ob ich das mit dem Seitenwind begriffen habe! Anflug über Poltringen, Querruder links gegen den Wind, Seitenruder rechts und die Maschine auf dei Bahn ausrichten. Oh, Oh, mich treibt's nach rechts ab! Und wie! Noch mehr Querruder links! Zurück zur Bahn-Mitte! Seitenruder! Mehr Gas, um die erhöhte Sinkgeschwindigkeit auszugleichen! Ich kam so ins Schwitzen, dass ich spürte, mir hinten im Hemd das Wasser in Bächen den Rücken runterlief! Bahnanfang. Ausrunden, Querruder unten lassen, mit dem linken Rad zuerst aufsetzen! Geschafft!. Nicht schön, aber erfolgreich.

Abrollen, Abstellen, Motor aus. Ich war fix und fertig. Und sah jetzt erst, dass alle am Tower standen und mir zugeschaut haben! Diese Landung bewirkte zweierlei: Seit diesem Moment war ich bei Kurt Egeler als Pilot angenommen. Und: ich hatte von diesem Moment an keine Angst mehr! Die war wie weggewischt. Seit diesem Augenblick freue ich mich über jede Seitenwind-Landung! Und ich fliege selbstverständlich mit einer Hand am Horn und der anderen am Gas.

Dreiecksflug - Das Ölspur-Dreieck
Zur Ausbildung gehört natürlich auch das Thema "Navigation". Ganz praktisch wird das, wenn zume rsten Mal losgeschickt wird und allein(!) ein Dreieck über mehr als 300 km mit zwei Landungen auf anderen Plätzen absolvieren soll.
Bei uns im Verein war das immer die Runde Poltringen Aalen-Heidenheim Leutkirch Poltringen. Die Route war schon so oft abgeflogen worden, dass man scherzhaft sagte, man bräuchte gar nicht mehr navigieren, sondern könnte sich an der Ölspur im Gelände orientieren. Daher der Name "Ölspurdreieck".
Das Heimtückische dabei ist das boshafte Gerät, das man hinten hineingestellt bekommt: Der Höhenschreiber oder Barograph. Einmal eingschaltet schreibt er unerbittlich die geflogenen Höhen mit. Damit wird dann beweisbar, dass man tatsächlich zwei Mal gelandet ist. Aber selbstverständlich wird auch sichtbar, ob man seine Reiseflughöhe sauber gehalten hat! Uns Flugschülern wurde der Eindruck erweckt, dass wir auf Leben und Sterben genau fliegen müssen, um diese Aufgabe erfüllen zu können. Ich hatte das Pech, an einem warmen, sonnigen Tag diesen Flug machen zu müssen. Das, was Fussgänger laienhaft als schönstes Flugwetter bezeichnen, kann in Wirklichkeit zu einem sehr unruhigen Flug führen: Thermik, als Aufwinde. In einen solchen Aufwind der heftigeren Art geriet meine kleine Cessna. Schlagartig ging es mehr als 100 Fuß aufwärts! Mist! Das gibt einen kräftigen Zacken in die Höhenkurve! Ich drückte das Horn so heftig nach vorn, um diese unerwünschte Höhe abzubauen, dass ich, zum ersten Mal in meinem Leben, eine negative Beschleunigung erlebte! Alles, was nicht festgebunden war, hing auf einmal mit einem Knall an der Decke! Aber es funktionierte! Der Zacken nach oben und wieder runter war so schmal, dass er bei der abschiessenden Kontrolle nicht auffiel. So, jetzt einen sauberen Anflug auf Allen-Heidenheim, dann wäre der erste Abschnitt geschafft.  Sauber und rechtzeitig Höhe abbauen, damit es eine schöne Gerade gibt. Gut, die Höhe war abgebaut, am Platz hatte ich mich gemeldet und meine Platzrundenhöhe war stabil. Nur, wo zu Kuckuck war jetzt der Platz? Rings um mich Wald so weit das Auge reichte, aber kein Flugplatz! Mist, Mist, Mist! Wenn ich jetzt wieder steige, um den Platz zu finden, dann sieht man das ja nachher! Das wird ein Spott der Kameraden geben! Mir kam nur eine Idee: Flieg' immer größer werdende Kreise! Dann bist Du zwar lange auf Platzrundenhöhe, aber das kann ja mal passieren! Nach zwei Kreisen hatte ich den Platz auch gefunden, ordentlich gelandet und meinen Stempel im Flugbuch als Beweis abgeholt! Jetzt war ich gewarnt! Dieses Missgeschick sollte mir nicht nochmal passieren!
Beim Flug nach Leutkirch blieb ich eisern so lange oben, bis ich den Platz unter mir eindeutig ausgemacht hatte. Ein sauberer, langer Sinkflug bis weit hinter den Platz, genau in Gegenrichtung zurück und alles passte! Der Heimflug war dann nur noch Formsache. Der Schrieb des Barographen wurd begutachtet und es gab keine Beanstandungen! Schwitz! Erleichterung!

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