Es war einem Wintertag im Jahr 1993. Normaler Flugbetrieb. Es wurde früh dunkel. Winterzeit. Noch schnell vor Sunset eine erweiterte Platzrunde mit der C-172, der "Romeo-Whisky".

In unserer Flugzeughalle geht es eng zu. Spötter sagen, wir würden fünf Flugzeuge in einem Wohnzimmer parken. Tatsache ist, dass das mit dem Parken nur funktioniert, wenn jedes Flugzeug an seinem, exakt ausgetüftelten Platz steht. Und die große Cessna steht ganz hinten. Das bedeutet, sie muss als erste eingeräumt werden. Das bedeutet, wenn man mit diesem Flugzeug als letztes landet, müssen alle anderen Maschinen warten. Was bedeutet, man macht sich so richtig Freunde im Verein!

Je eiliger man es hat, desto eher versaut man die Landung. Eile ist Gift. Ich habe es sofort erfahren, als ich von meiner Runde zurück kam und, kurz vor knapp, noch auf der 18 landen wollte. Prompt war ich zu hoch und zu schnell. Durchstarten. Kurze Platzrunde rechts rum, damit es schnell geht. Ungeübte Platzrunde. Ich war langsamer und tiefer, wie zuvor, aber immer noch zu schnell. Man hört es immer wieder, aber wenn die Zeit drängt, wird das Gelernte gern ver-drängt: "Man kann ein Flugzeug nicht zum Landen zwingen". Wenn man zu schnell ist, will der Flieger nicht runter. Er schwebt und schwebt und schwebt. Die Halbbahn-Markierung war schon vorbei und Durchstarten wäre angesagt gewesen. Aber, wie gesagt, es sollte ja schnell gehen. Bodenkontakt kurz vor Bahnende. Bremsen. Mit über 50 Knoten Fahrt übers Bahnende hinaus ins Gras.

Normalerweise hätte es reichen können. Nicht an diesem Tag. Es war Winter. Das Gras war vereist. Die Bremswirkung war fast Null. Erste falsche Entscheidung: Ich zog die Maschine nach rechts, wo dann ganz schnell der Weg kam. Links wäre viel Platz gewesen. Irgendwie hatte ich das Einräumen und die Halle im Kopf. Ich schoss über den Weg hinaus. Weiter gings über die anschliessende Wiese. Und dann war da nur noch der frisch gepflügte Acker. Oh Scheisse! Das Bugrad! Das empfindlichste Teil des Fahrwerks! Quer zu  den frischen Schollen.

Ich hatte zu Entlastung des Bugrads das Höhenruder bis zum Anschlag gezogen, aber die Sekunden bis zum Stillstand gehören zu den Schlimmsten meines Lebens. Es tatfürchterliche Schläge und ich erwartete jeden Moment, dass das Bugfahrwerk wegknicken und ich mit dem Propeller im Dreck stecken würde.

Irgendwann kam die Maschine zu Stillstand. Mitten im Acker. Motor aus. Mit zitternden Beinen aussteigen. Erster Blick nach vorn: Das Bugrad war noch dran! Mit vereinten Kräften brachten wir die Maschine aus dem Acker zurück auf den Weg. Danke, liebe Kollegen! Putzen, Einräumen, Durchschnaufen. Die Vorwürfe hielten sich in Grenzen.

Wie knapp ich an einer Katastophe vorbeigeschrammt bin, hat Martin Nuoffer bei der genaueren Untersuchung des Bugfahrwerks festgestellt: 6 von 8 Befestigungs-Schrauben waren abgerissen! Noch eine Scholle mehr, und ich wäre mit der Nase im Dreck gesteckt. Mit laufendem Propeller! Das hätte in jedem Fall eine Komplett-Überholung des Motors bedeutet!

Die Lektion, im Zweifelsfall durchzustarten, hatte ich auf herbe Weise gelernt!

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