Es war ein Samstag Nachmittag, wie man ihn sich gemeinhin als ideal zum Fliegen vorstellt:
Blauer Himmel, Sonnenschein, wenig Wind und eine Sicht "von Pol zu Pol", wie Flieger so sagen.
Ich hatte Gäste, mit denen ich einen Rundlfug machen sollte.
Als Flugzeug wurde die Robin DR-400 gewählt.
Sie ist einfach das schönste Flugzeug für Rundflüge, weil ihre Fenster so weit nach unten gezogen sind und, vor allem von den vorderen Sitzen aus, einen fantastischen Blick auch nach unten bieten.

Rundflug mit Acksios

Start in Richtung Süden und trotz der Beladung hob die "WN" bei der Halb-Bahn-Markierung schon ab.
Rechts-Kurve um die Linde und Steigflug Richtung Autobahn.
Es sollte zuerst Richtung Horb in den Schwarzwald hinein gehen, um dann in einer großen Kurve noch Burg Hohenzollern und Liechtenstein "mitzunehmen".

Kurz hinter Nagold geschah es dann:
In wenigen Sekunden fielen von unten nach oben sämtliche elektronischen Geräte aus.
Es war, wie wenn eine Geisterhand Schalter um Schalter umlegen würde.
Kompletter Ausfall der Elektrik und damit der Stromversorgung aller elektrischer Geräte.
Kurze Schrecksekunde, dann kam die Erinnerung an den Theorie-Unterricht:
"Der Motor läuft auch dann weiter, wenn die gesamte Elektrik ausfällt".
Danke an den Erfinder der Magnet-Zündung!
Die wichtigsten Instrumente, wie Fahrt- und Höhenmesser funktionieren glücklicherweise ohne Strom.
Auf die elektrisch angetriebenen Kreiselinstrumente war ich nicht angewiesen.
Ich machte ja keinen Instrumentenflug, sondern konnte sehen, wie ich hinflog.
Notlanden würde ich demnach nicht müssen.
Aber weiterfliegen und taub und stumm sein?
Da gab es keine andere Wahl:
Sofort zurück zum Platz!

Ja der Flugplatz!
Am Samstag! Bei schönstem Wetter!
Es gab wohl kein Segelflugzeug, das nicht in der Luft war.
So lange der Funk noch tat, war ein dauerndes An- und Abmelden zum Start und zur Landung zu hören.
Schulbetrieb im Segelflug, das bedeutet, dass möglichweise alle drei bis fünf Minuten ein Segler zur Landung ansetzt.
Und dazwischen natürlich auch welche starten.
Dazu alle Motormaschinen mehr oder weniger in der Platzrunde.
Wie sollte ich mich da reinschleichen, ohne andere, mich oder meine Gäste zu gefährden!
Das wurde bis dahin mit mir nicht geübt!
Am liebsten wäre ich ja quer über den Platz geflogen und hätte durch heftiges Wackeln mit den Flügeln darauf aufmerksam gemacht, dass etwas nicht stimmt.
Aber bei derart intensivem Segelflugbetrieb?
Unmöglich!
Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich in der zuletzt aktiven Platzrunde zur Landung bereit zu machen.
Nicht auszudenken, wenn inzwischen die Richtung gefreht worden wäre!
Dann kämen mir die startenden und landenden Maschinen auf einmal entgegen!
In den Anfängen der Fliegerei konnte man aus den offenen Cockpits ja noch eine rote Rakte abschiessen und damit die Kollegen warnen!
Bei der Robin wäre das gar nicht möglich:
Es gab ja nicht mal ein Fensterchen, das man öffnen konnte!

Während dieses spannungsgeladenen Rückflugs testete ich, wie man das gelernt hat, nochmals alle Sicherungen und alle Schalter.
Und, oh Wunder, kurz vor dem Einfliegen in die Platzrunde war der Strom auf einmal wieder da!
Ich war aber unsicher, was die Ursache des Stromausfalls war und landete.
Als ich Martin Nuoffer, den besten aller Flugzeugwarte, darauf ansprach, wusste er sofort, was los war:
Der Generator-Schalter.
Diesen Schalter kann man nur als Fehlkonstruktion bezeichnen.
Wie so etwas die Luftfahrtzulassung bekommt, ist mir schleierhaft!
Da tut ja jeder Schalter im Auto besser!
Warum ich mich so aufrege?
Ganz einfach: wenn ein Schalter gekippt wird, geht man davon aus, dass er auch schaltet.
Nicht so beim Generatorschalter der Robin.
Den kann man kippen, ohne dass er schaltet!
Man muss ihn nur mit etwas Gefühl betätigen.
Wir behandeln unsere Flugzeuge ja sehr sorgsam und dazu gehört auch, dass man die Schalter nicht betätigt wie ein Ochs.
Aber genau so muss man diesen Schalter betätigen, damit der Generator eingeschaltet wird!

Ich bin also geflogen, ohne dass Strom erzeugt wurde.
Die Batterie in einem einmotorigen Flugzeug ist natürlich so klein, wie irgendmöglich.
Man will ja Gewicht sparen!
Die Kapazität reicht kaum aus, um mehrere Anlassvorgänge zu machen.
Kein Wunder, dass schon wenige Minuten nach dem Start der "Saft" aus war.

Hätte ich das merken müssen?
Ja, eindeutig ja!
Es gibt eine Kontroll-Lampe, die anzeigt, menn kein Strom erzeugt wird.
Und es gibt eine Anzeige, die die Strom-Menge anzeigt, die von oder zu der Batterie fliesst!
Ich kann es drehen, wie ich will:
Es war mein Fehler!
Einen Anschiss gab es trotzdem nicht - dieses Missgeschick ist anderen Piloten auch schon passiert.
Die Kontroll-Lampe liegt zwar direkt im Blickfeld des Piloten, aber an einem sonnigen Tag ist es sehr schwer zu erkennen, ob sie an oder aus ist.
Das Banner oben zeigt llinks genau diese Kontroll-Lampen. So ist der Blick in einem Robin-Cockpit.
Ob die orange Lampe brennt oder nicht, kann man wirklich nur sehen, wenn man sie mit der Hand gegen das Sonnenlicht abschirmt.

Trotzdem: so ein mieser Schalter gehört nicht in ein Flugzeug!

 

 

 

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