Es war so weit. Im Flugbuch standen genügend Stunden. Die theoretische Prüfung beim Regierungspräsidium in Tübingen war bestanden. Jetzt fehlte nur noch die praktische Prüfung. Meine Prüferin sollte Frau Moog vom Flugplatz Mengen sein. Für diejenigen, die nie das Privileg hatten diese aussergewöhnliche Frau kennen zu lernen: Frau Moogfliegt, vom Oldtimer bis zum Business-jet, so ziemlich alles, was sich in die Luft erheben kann! Wer einmal gesehen hat, wie diese zierliche Frau den weltgrößten einmotorigen Doppeldecker, die Antonov-2 anlässt und fliegt, weiss, was ich meine. Zusammen mit meinem Fluglehrer Rudi Bockhorn flogen wir also am 26. Oktober 1992 nach Mengen. Rudi blieb am Platz zurück und Frau Moog nahm seinen  Platz rechts von mir ein. Und lso ging's!

Wir hatten ein denkbar ungünstiges Wetter für eine Flugprüfung. Windgeschwindigkeiten bis 60 Knoten in Reiseflughöhe waren die Regel. Da ist es mir zu erstean Mal passiert, dass ich mit unserer leichte C-152 so stark vorhalten musste, dass ich das Ziel links voraus durch das Seitenfenster sah! Richtig vorwärts kam man so natürlich nicht. Der usrprüngliche Gedanke, nach Kempten zu fliegen, musste deshalb recht bald aufgegeben werden. Frau Moog lies mich einige Manöver fliegen, die ich in der Ausbildung noch nie gemacht hatte! Damals war es noch nicht üblich, streng nach Checklisten alles mal durchgemacht zu haben. Die heutige Ausbildung ist da wesentlich professioneller. Ich kam auch prompt einige Male deshalb ins Schwimmen. Dann sollte ich in Mengen zum Abschluss eine Ziellandung durchführen. Für die Fussgänger unter den Lesern: Man tut dabei so, als ob der Motor ausgefallen wäre. Das Gas wird komplett rausgenommen und an muss eine erfolgreiche Landung hinlegen, ohne nochmal Gas zu geben. Eine Notlande-Übung also. Und das bei diesem Wind! Auf halber Anflugstrecke war ich noch deutlich zu hoch und Frau Moog sagte: "Das wird wohl nichts". Mein Kommentar: "Abwarten". Ich kannte unsere kleine Cessna inzwischen recht gut. Als Hochdecker neigt sie wahrlich nicht zum abruptem Strömungsabriss. Und das machte ich mir zu Nutze. Mit voll auf 30 Grad gesetzten Klappen reduzierte ich die Geschwindigkeit auf knapp unter 60 Knoten. Jetzt ging das Fliegerchen runter, wie in einem Fahrstuhl. Querruder gerade und schön mit dem Seitenruder stabilisieren, wie man es oft genug geübt hatte. 10 Meter über dem Boden etwas nachgedrückt, um wieder etwas Fahrt aufzunehmen  - Ausrunden - ferig. Der Kommentar von Frau Moog: "OK". Damit war die Prüfung bestanden!

Zurück nach Poltringen gings zwar nicht als Pilot - dazu musste erst der Schein erstellt werden. Aber immerhin mit dem Gefühl, dass es jetzt nur noch um wenige Tage ging.

Der starke Wind war kein Zufall: eine Gewitterfront näherte sich Mengen. Zjm ersten Mal flog ich knapp neben einer riesigen, schwarzen Wolke, in der es immer wieder heftig blitzte. Unter Wolke waren die Schleier der Regenschauer zu sehen. Und wir, Rudi und ich, flogen im Sonneschein dran vorbei! Das erhebende Gefühl lässt sich nicht beschreiben!

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